Umstrukturierung der Truppenteile

Die Strukturen in den Bereitschaften entwickelten sich kontinuierlich in Abhängigkeit von der jeweiligen politischen Lage. Zunächst wurden in Auswertung der Ereignisse am 17. Juni 1953 im Herbst 1953 Bereitschaften der Hauptverwaltung Deutsche Volkspolizei (HVDVP) aufgestellt. In ihnen erfolgte die Dienstanfängerausbildung für die Volkspolizei und Einsätze als Bereitschaftspolizei.

"Im April 1955 wurde im Bereich des Ministeriums des Innern mit dem Aufbau von Einheiten der Bereitschaftspolizei begonnen. Die neugebildeten Formationen gehörten nicht zur HVDVP und hatten andere Einsatzgrundsätze als deren Volkspolizei-Bereitschaften." [1] Dies erfolgte im Staatssekretariat für Staatssicherheit. Am 1. Mai 1955 wurde die Verwaltung Innere Truppen gebildet [2], der die Sicherungs- und die mot. Einheiten in khakifarbenen Uniformen unterstellt wurden. Sie standen unter Kontrolle von Beratern aus den Inneren Truppen der Sowjetunion. Organisiert in Infanterie-Regimenter und einer Brigade sollten sie wichtigste Betriebe sichern und mit Verbänden der Kasernierten Volkspolizei, den späteren Landstreitkräften der NVA, Aufstände niederschlagen und im Kriegsfall abgesetzte gegnerische Fallschirmjäger, Spezialaufklärungskräfte und Banden bekämpfen. Die letztgenannten Aufgaben standen bis Ende der 70er Jahre im Vordergrund.

In dieser Zeit war in den USA in Fort Bragg mit der Aufstellung von "Special Forces" begonnen worden und am 19. Juni 1952 die erste Lehreinheit durch Colonel Aaron Bank in Dienst gestellt worden. [3] Am 22. November 1953 erreichten 800 Mann der 10th Special Forces Group an Bord eines Truppentransporters Bremerhaven und bezogen die Flint-Kaserne in Bad Tölz. [4]

Mit Wirkung vom 1. Februar 1957 erfolgte die Rückunterstellung der Bereitschaftspolizei der "Hauptverwaltung Innere Sicherheit" an das MdI. "Aus den Mot.- und S-Einheiten sowie Lehreinrichtungen entstanden zehn Bereitschaften einheitlicher Struktur und eine Lehrbereitschaft. Die Führung erfolgte unmittelbar durch das zum MdI gehörende Kommando der Bereitschaftspolizei." [5]

"Auf der Grundlage des Gesetzes über die allgemeine Wehrpflicht nahmen im April 1962 die ersten Wehrpflichtigen ihren Dienst in den Bereitschaften auf." [6] Im Juli 1962 wurde das 'Kommando der Bereitschaftspolizei' ... aufgelöst. Die Bereitschaften erhielten neue Strukturen. Gleichzeitig erfolgte die Übergabe der auf diese Weise entstandenen Volkspolizei-Bereitschaften an die Chefs der BDVP." [7] Aus den Abteilungen der Bereitschaften entstanden selbständige VP-Bereitschaften in Bataillonsstärke. Die geschlossene polizeiliche Ausbildung spielte bis zur internationalen Anerkennungswelle der DDR, die Mitte der 70er Jahre einsetzte, eine untergeordnete Rolle. Die Möglichkeiten zur Panzer- und Luftabwehr erreichte ab Anfang der 70er Jahre eine neue Qualität.

Ende der 70er Jahre begann eine stärkere Orientierung auf den geschlossenen Polizeieinsatz und die Unterstützung der Dienstzweige der Volkspolizei. Konterkariert wurde dies aber durch den verstärkten Einsatz der Einheiten als Arbeitskräfte in der Volkswirtschaft.


Anmerkung: Die Aufstellung erfolgte unter Aufsicht und Anleitung von Beratern der Inneren Truppen| Bereitschafts-Truppen des Innenministeriums der Sowjetunion. In diesen werden die Truppenteile als „отряд“ bezeichnet. Übersetzt: „2. Polizeikräfte: Bereitschaft“ , Militärwörterbuch russisch-deutsch, Militärverlag der DDR, Berlin, 1979, 1. Auflage, S.287. Eine Bereitschaft ist also nicht gleich Bereitschaftspolizei!

[1] Vgl.: Historischer Abriß zum Aufbau und zur Entwicklung der Volkspolizei-Bereitschaften 1945-1985. Heinz Opitz, Günter Huthmann, Franz Fiebig, u.a.; Berlin 1988, MdI der DDR, S. 49
[2] Siehe: Handbuch der bewaffneten Organe der DDR, Berlin 2004, S.71
[3] Siehe: Die US >>Green Berets<<. Fallschirmjäger. Partisanen. Militärberater; Stuttgart 4. Aufl.; Hartmut Schauer; S. 48
[4] Siehe: Ebenda, S.59
[5] Siehe: Historischer Abriß zum Aufbau und zur Entwicklung der Volkspolizei-Bereitschaften 1945-1985. Heinz Opitz, Günter Huthmann, Franz Fiebig, u.a.; Berlin 1988, MdI der DDR, S. 52
[6] Siehe: Ebenda, S. 131
[7] Siehe: Ebenda, S. 128